Schilffbestände an der Salzachmündung Walter Sage

1.Die Insektenfaua im Inn – Salzachgebiet (Walter Sage)

Während die Vogelwelt und insbesondere die Wasservogelfauna im Europareservat Unterer Inn eine weithin große Bekanntheit erlangte, ist die Insektenfauna weitaus weniger bekannt. Dabei ist die Zahl der hier vorkommenden Insektenarten durch die Lage und Ausstattung der Lebensräume außerordentlich hoch. So konnten in der kleinen Arbeitsgruppe im Inn-Salzachgebiet mit der Unteren Alz in 40-jähriger Tätigkeit bisher mehr als 1100 Schmetterlinge, davon etwa 750 sogenannte Großschmetterlinge, nachgewiesen werden. Die Zahl der Libellen beträgt 55 Arten, was etwa 80% der rezenten Libellenarten Bayerns entspricht. Zudem gibt es Nachweise zahlreicher oft sehr bemerkenswerter Käfer- und weiterer Insektenarten, die jedoch bisher kaum oder nur kleinflächig systematisch erfasst wurden. Aber die Insektenfauna ist ständigen Veränderungen unterworfen, immer und überall. Die Regulierung des Inns und später der Bau der Staustufen führten jeweils zu gravierenden Veränderungen,die sich auch auf die Zusammensetzung der Insektenfauna auswirkten und dies auch noch bis heute tun. So verschwanden in den letzten Jahrzehnten viele Arten aus der Region. Durch die besondere Lage des Gebietes kommt es aber häufig zu Neuansiedlungen von insbesondere flugstarken Insektenarten. Die Obere Donau und der Untere Inn dienen dabei als Ausbreitungskorridore für wärmeliebende Insektenarten, von denen viele mittlerweile fester Bestandsteil unserer Fauna wurden.


Betrachtet man die Insektenlebensräume am Unterern Inn etwas genauer, lassen sie sich im Wesentlichen wie folgt benennen.

  • Die Schilfbestände
  • Die Weichholzaue
  • Der Inndamm
  • Die Heckenbestände (wo noch vorhandeh)
  • Der ausgedeichte Auwald
  • Die Brennen und der Biotopacker
  • Die offenen Feuchtwiesen in der Au
  • Die Gewässer in der Au
  • Das Umgehungsgewässer an der Staustufe Ering – Frauenstein

Die Schilfbestände

Schilf ist eine Pionierart, die wie keine andere in der Lage ist, entstandene Flachwasserzonen zu besiedeln und einen beschleunigten Verlandungsprozess in Gang zu setzen. Dabei muß der jeweilige Schilfgürtel als temporäre Biotopform angesehen werden, da verlandete Bereiche schnell von Weichhölzern, insbesondere von Silberweiden besetzt werden, die ihrerseits die Schilfbestände wieder verdrängen. Dieser Gestaltungsprozess kommt an naturbelassenen Flüssen nie vollständig zum Erliegen, da von Hochwässern hervorgerufene Abtragungen und Anlandungen ständig neu zu besiedelnde Flächen schaffen.

Anders hingegen bei durch Verbauung „gezämten“ Flüssen. Hier setzt eine irreversible Verlandung ein, die vorübergehend gute Voraussetztungen für Schilf durch Sedimentablagerung in den Stauräumen mit sich bringt. Da diese Areale jedoch im weiteren Verlauf durch Weichhölzer erobert werden, kommt es langfristig zu einer weitflächigen Schilfverarmung. Dieser überregional bereits starke Rückgang der Schilfbestände führt zu den zum Teil starken Gefärdungen der schilfbewohnenden Tierarten.

Schilfbestände sind in den Stauräumen des Europaresevats bis zur Salzachmündung noch in großen Flächen vorhanden. So sind hier noch der Großteil aller in Bayern in jüngster Zeit nachgewiesener „Schilfeulen“ zu finden. Als Schilfeulen werden hierbei Arten unterschiedlicher Gatungen bezeichnet, deren Raupen sich monophag von Schilf ernähren oder für die Schilf zumindest eine wichtige Futterpflanze darstellt.

Dies sind Ried-Weißstriemeneulen (Simyra albovenosa), Röhrichteule (Phragmatiphila nexa), Spitzflügliche Graseule (Mythimna straminea), Zweipunkt Schilfeule (Lenisa geminipuncta), Schmalflügliche Schilfeule (Chilodes maritima), und Rohrglanzgras Schilfeule (Archanara neurica) so wie die beiden Kleinschmetterlinge Riesenzünsler (Schoenebius gigantella) und Chilo phragmitella. Den Schilfbeständen im Europareservat „Unterer Inn“ kommt daher eine hohe überregionale Bedeutung für den Artenerhalt der Schilfeulen zu.

Die weiteren Insektenlebensräume werden in demnächts folgenden Beiträgen beschrieben!