Rätselbild Nr. 22 (Stephan Selbach)

Vogelrätsel Nr. 22 mit Auflösung!

Bei der Wasservogelzählung im Januar, jeder der an diesem Tag gezählt weiß das ein sehr kalter Wind über das Land wehte, entdeckte ich diesen Greifvogel.

Er flog vor mir auf, setzte sich aber bereits nach etwa 100 m wieder auf den Acker, beim ersten Hinschauen dachte ich an einen Wanderfalken jedoch war er dafür deutlich zu klein.

Welcher Vogel könnte es sein?


Auflösung!

Der Rätselvogel wirkte im Feld wie ein kleiner, kompakter „Mini-Wanderfalke“. Er ist deutlich kräftiger gebaut als ein Turmfalke, aber wesentlich kleiner als ein Wanderfalke. Sein Flugbild ist charakteristisch: sehr schnelle, kraftvolle Flügelschläge, kaum Gleitphasen und niemals das typische Rütteln des Turmfalken. Der Flug dieses Falken wirkt zielstrebig, tief und energisch, besonders während der Jagd, bei der sie bevorzugt kleine Vögel im Flug überraschen. Es handelt sich um einen adulten männlichen Merlinfalken.

Das Männchen zeigt eine schiefer- bis dunkelgraue Oberseite, die gleichmäßig und ohne rostrote Töne erscheint. Die Unterseite ist hell und fein dunkel längsgestreift, wodurch das Gefieder insgesamt klarer und kontrastreicher wirkt als beim Weibchen. Im Gesicht fallen ein schmaler heller Überaugenstreif und ein eher schwacher dunkler Bartstreif auf, der deutlich weniger ausgeprägt ist als beim Wanderfalken. Der Schwanz ist dunkel mit schmalen hellen Querbändern und einer etwas helleren Endbinde.

Sitzend wirkt der Merlin gedrungen mit kurzem Schwanz und kräftiger Brust. Im Flug zeigen sich spitze, sichelförmige Flügel, die jedoch kürzer und breiter sind als beim Wanderfalken. Typische Verwechslungspartner lassen sich gut abgrenzen: Der Turmfalke rüttelt häufig und zeigt beim Männchen rostrote Oberseiten; der Sperber hat rundere Flügel, einen längeren Schwanz und einen flatternden, „schmetterlingsartigen“ Flug; juvenile Wanderfalken sind deutlich größer und haben einen kräftigen Bartstreif.

Wenn man den Ruf hört, ist er ein schnelles, scharfes „ki-ki-ki-ki“, das jedoch seltener zu hören ist als bei anderen Falkenarten. Insgesamt lässt sich ein adulter männlicher Merlin am zuverlässigsten durch seine kompakte Statur, die graue Oberseite, den schnellen, direkten Flug und das Fehlen des Rüttelns erkennen.

Und wann ist der Merlin bei uns zu sehen? Er brütet ja in Skandinavien, dem Baltikum und in Nord- und Zentralrussland. Bei uns kann er – mit etwas Glück – als Durchzügler und Wintergast auftauchen und beobachtet werden.

Stephan Selbach