Foto 2_ Äskulapnatter am Ufer der Hagenauer Bucht unterer Inn Foto_Dr. Walter PILSHOFER 30. April 2013 Kopie2

Ein weiterer Nachweis der Äskulapnatter Zamenis longissimus im niederbayerischen Inntal

von Fanz SEGIETH

Robert CIESLAR, Hausmeister der Krankengymnastik- und Massagepraxis Altmann im Schloss Kirchham, Landkreis Passau, berichtete mir von einer Schlange, die am 5. Juli 2022 am geöffneten Fenster im warmen Keller gefunden worden war. Er hatte sie fotografiert und anschließend nach draußen getragen. Anhand des mit dem Smartphon gemachten Fotos bestimmte ich sie als Äskulapnatter (Foto 1).     
Die Äskulapnatter kommt inzwischen vom Salzachtal im Raum Salzburg bis über Burghausen und weiter den Inn entlang vor allem bayerischerseits bis zu den Donauhängen bei Passau und donauabwärts in den Osten und Südosten Oberösterreichs vor (ASSMANN & RENNER 2021). Österreichischerseits wurde sie in den 1970er Jahren bei Braunau (REICHHOLF 1975) und in Lokalbeständen Ende der 1990er Jahre (SEIDL 2000) gefunden.
Das Vorkommen im Bereich Raitenhaslach-Burghausen gedieh, wobei sich ein Schwerpunkt auf dem Werksgelände der Wacker Chemie bildete (Walter SAGE mündl. Mitt.) und seit den 1990ern gab es wiederholt Nachweise in Erlach (Gerhard WAGMANN mündl. Mitt.) und bei Simbach/Inn nach Walter SAGE in der ehemaligen Lehmgrube der Ziegelei Scheiblhuber sowie in Komposthafen eines Schrebergartens, wo sie etwa 8 Eier gelegt hatte. Am unterholzreichen Ufer der Hagenauer Bucht beobachtete und fotografierte Walter PILSHOFER eine am 30. April 2013 (Foto 2).    
Die Feststellung in Kirchham schließt eine Lücke im Vorkommen der Äskulapnatter im niederbayerischen Inntal (Kartierung in ASSMANN & RENNER l. c.). Die wärmebedürftige Schlange profitiert zwar (auch) von den warmen Sommern der letzten Zeit, aber mehr wohl noch, dass man Schlangen bei uns nicht mehr wie früher einfach erschlägt, wenn sie gesichtet werden. Das ist eine für die Äskulapnatter besonders günstige Entwicklung, weil sie mehr als Ringelnatter und andere Schlangen auch im Siedlungsraum der Menschen lebt.

ASSMANN, O & D. RENNER (2021): Zur Verbreitung der Äskulapnatter (Zamenis longissimus) im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet. – ANLiegen Natur 43(1): 55  –  66.

REICHHOLF, J. H. (1975): Vorkommen der Äskulapnatter (Elaphe longissima) am Inn bei Braunau. – Mitt. Zool. Ges. Braunau 2: 195 – 196.

REICHHOLF, J. H. (2000): Die Verbreitung der Äskulapnatter Elaphe longissima zwischen Burghausen und Passau-Jochenstein: Neue Befunde und eine historische Interpretation. – Mitt. Zool. Ges. Braunau 7: 315 – 320.

SEIDL, F. (2000): Nachweis einer vitalen Population der Äskulapnatter (Elaphe longissima) im Gemeindegebiet von Braunau am Inn (Oberösterreich).

Mitt. Zool. Ges. Braunau 7: 311 – 314.

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