Rätselbild Nr. 24 (Karl Billinger)

Vogelrätsel Nr. 24 mit Auflösung!

Dieser Wasservogel – das ist eindeutig auf dem Bild zu sehen – wird, wenn man ihn überhaupt sieht – gern in dieser oder einer ähnlichen Situation angetroffen. Um welche Vogelart handelt es sich beim Vogel auf dem Rätselbild? Und warum man den Vogel, wenn man ihn überhaupt sieht, meist nur von hinten und mit viel Geplätscher und recht kurz sieht, lässt sich erklären. In der Auflösung Ende Juni bzw. Anfang Juli versuche ich das!

Karl Billinger


Auflösung!

Vogelarten, die gejagt werden oder die von einem Teil der Menschen als „unerwünscht“ klassifiziert werden und daher allzu oft verscheucht (im ohnehin günstigsten Fall) werden, sind Menschen gegenüber sehr vorsichtig und ziehen es vor, sich vor Menschen zurückzuziehen. Bei der Rätselvogelart ist das so, obwohl deren Beute – Fische in unseren Gewässern – nur selten in einer Größe, wie wir Menschen sie bevorzugen, gejagt werden. Beim Rätselvogel handelt es sich um einen Entenvogel, der aktiv Fischen nachstellt, darum wird er von Anglern oft verjagt und darum entfernt er sich so schnell wie möglich – sicherheitshalber – wenn wir Menschen ihm zu nahe kommen.

Gesucht ist ein Vogel in Stockentengröße mit rotbraunem Kopf mit aufstellbarem Schopf und genauso gefärbtem Hals, der deutlich zur hellen Brust und zum Bauch abgesetzt ist. Es ist ein weiblicher Gänsesäger. Hier auf einem Foto von Norbert Pühringer sind die Merkmale der Art sehr gut zu sehen.

Der lange dünne Schnabel mit dem Haken an der Spitze ist seitlich mit einer feinen, aber scharfen Zahnung ausgestattet.

Die Männchen dieser Art schauen ganz anders aus. Im Prachtkleid, also im Spätherbst, Winter und im Frühling sind sie kontrastreich hell-dunkel befiedert. Der Kopf ist dunkelgrün mit dem langen dunkelroten Hakenschnabel, der obere Rücken, gebildet aus dem Rückengefieder und den am Rücken zusammengeklappten Handschwingen wirkt schwarz und bildet einen scharfen Kontrast zur sehr hellen leicht lachsfarben überflogenen Brust, den ebenso hellen Flanken und dem hellen Bauch. Auch dieses Bild eines Gänsesäger-Männchens stammt von Norbert Pühringer!

Interessant für diese Art ist, dass man im Sommer und Frühherbst keine Männchen zu sehen glaubt. Das stimmt aber nicht ganz, bei der nachbrutzeitlichen Mauser sehen die Männchen den Weibchen sehr ähnlich und weil auch das Jugendkleid sehr ähnlich dem Gefieder der Weibchen ist, schaut es für Laien so aus, als seien die Gänsesägerweibchen plötzlich viel mehr geworden und die männlichen Exemplare überhaupt weg. Bei genauerem Hinsehen, und da reicht leider oft auch ein Fernglas nicht, sondern man braucht ein Spektiv mit einem Fernrohr, sieht man beim Jungvogel einen hellen Zügelstreif, der sich von der Schnabelwurzel bis unters Auge zieht. Auch ist das Rotbraun des Kopfes nicht deutlich zur Brust hin abgesetzt, sondern es gibt einen verwaschenen Übergang. Männchen unterscheiden sich im Schlichtkleid von Weibchen durch ein recht großes helles Flügelfeld, das man auch beim schwimmenden Vogel sieht.
Weil bei manchen Zählungen das Geschlechterverhältnis ohnehin eine untergeordnete Rolle spielt, geben manche Zähler auf den Zählprotokollen folgendes an, wenn sie beispielsweise 3 Exemplare gesehen haben: Gänsesäger, 3, wf. Hier ist das „wf“ das Interessante, weil es sich bei den gezählten Individuen um weibliche, junge oder um männliche Exemplare im Schlichtkleid handeln kann. „Weibchenfarbig“ oder „weibchenfärbig“ werden die Tiere bezeichnet.

Hervorzuheben für diese Art ist auch noch, dass es sich um Höhlenbrüter handelt. Sie bevorzugen dabei Baumhöhlen in geeigneter Größe, die zB vom Schwarzspecht sein können. Die Pulli müssen sich nach dem Schlüpfen in die Tiefe stürzen, weil das Weibchen sie an ein nahes Gewässer führen muss.

Insgesamt also eine attraktive und recht interessante Entenart, über die wir uns freuen sollten, wenn wir sie sehen. Die „Ausrede“, die Fischfresser seien schuld an weniger Fischen in unseren Gewässern ist ja wirklich eine Ausrede. Unsere Bäche und Flüsse sind ja durch Querbauwerke, Verbauung, Begradigung und durch den oft ungehinderten Eintrag von feinem Erdreich von Feldern bei Starkregenereignissen in einem streckenweise erbärmlichen Zustand, besonders aus der Sicht von im Kies laichenden Fischen, wie es viele Innfische sind. Schuld daran, dass es zu wenig Fische in Fließgewässern gibt sind zu einem hohen Prozentsatz (wir) Menschen. Ist so, und deshalb sollten wir nicht den Fischfressern die alleinige Schuld geben, sondern ganz im Gegenteil versuchen, Fehler, die wir durch Lebensraumzerstörung gemacht haben auszubessern und rückgängig machen: Die Renaturierung vorantreiben und nicht abwürgen!

Ein bissl was geschieht aber ohnehin! Um das Kraftwerk Obernberg-Egglfing wird beispielsweise ab jetzt ein recht mächtiges Umgehungsgerinne als Fischaufstiegshilfe gebaut, das wegen seiner Dimension auch als Laichgewässer für die Fische, die in den Stauräumen nicht zum Ablaichen kommen dienen soll und wird. Wie so etwas aussieht und funktioniert, kann man bei den Kraftwerken Ering-Frauenstein und Braunau-Simbach bereits sehen und erwandern! Das darf durchaus als Empfehlung betrachtet werden.

Zur Information:

Der Rätselmacher gönnt sich einen (hoffentlich) verdienten Urlaub. Das nächste Rätsel erscheint Anfang September auf dieser Plattform!
Karl Billinger
PS.: Weil ich gar nicht weiß, ob überhaupt jemand von den ZGEB-Vogelrätseln Notiz nimmt und/oder wie viele dies tun: Ich freue mich über Rückmeldungen, Anregungen oder eigene Ideen für neue Rätsel von eurer Seite!