
Der hier dargestellte einbeinig wirkende Vogel ist kein mit einer Augenbinde verkleideter „Panzerknacker“ aus einem Comic. Für versierte Limikolen Spezialisten enthält dieses Rätsel keine wirkliche Hürde. Aber ein Limikolen-Spezialist muss man erst werden. Und da hilft das oftmalige Blättern in verschiedenen Bestimmungsbüchern genauso wie das Aufsuchen von vielversprechenden und sandbankreichen Beobachtungsstellen am unteren Inn, im Idealfall, wenn weitere Beobachter mit guter optischer Ausrüstung auch vor Ort sind.
Das Rätselbild stammt von Dieter Kurz und ist wie ich vermute im hohen Norden entstanden, weil bei uns in Mitteleuropa Schnee und (dieser) Rätselvogel eher nicht zusammen passen.
Die Lösung gibt es gegen Ende des Monats Oktober auf dieser Homepage!
Auflösung!
Das Rätselbild, das auf der Website seit Anfang Oktober im Netz zu finden ist, zeigt zweifellos eine Limikole mit kurzem Schnabel und die Kopfzeichnung wirkt sehr stark und markant „maskiert“. Man ist geneigt, die Aufmerksamkeit gleich in Richtung eines Flussregenpfeifers zu lenken, der bei uns zwar weit verbreitet ist, trotzdem aber an eklatanter Brutplatznot leidet. Schotterflächen an Fließgewässern, die er liebt und braucht, findet man bei uns fast nicht mehr, und dort, wo sie mit viel Aufwand neu und wieder geschaffen werden, sind sie schnell von Menschen eingenommen und dadurch als Brutplatz für diesen kleinen Vogel entwertet.
So bleiben ihm oft nur Kiesgruben als Ersatzbruträume, und die nutzt er auch gern. Das war jetzt eine ideologisch eingefärbte Abzweigung.
Ein Flussregenpfeifer ist der abgebildete Rätselvogel nämlich nicht. Am schnellsten sind die markanten Unterschiede nämlich so erklärt, dass auf dem Rätselbild die orangegelbe Farbe am Kopf an der falschen Stelle zu finden ist. Während der bei uns wie schon erwähnt fast nur noch in Sekundärbiotopen brütende Regenpfeifer das Gelb in einem auffallenden Ring ums Auge trägt, ist bei der sonst recht ähnlichen Regenpfeiferart das Gelb auf den Schnabel konzentriert. Nur die Schnabelspitze ist schwarz. Von den drei kleinen Regenpfeiferarten, die in Österreich beobachtet werden können (von Irr- und Ausnahmegästen einmal abgesehen) ist der Flussregenpfeifer schon namentlich genannt und als Lösung des Rätsels bereits ausgeschlossen. Bei der zweiten Art, dem sehr seltenen Seeregenpfeifer, fehlt gelb am Gesamtgefieder und auch die Kopfmarkierung ist weniger markant ausgeführt als beim Vogel auf dem Rätselbild. Somit kommt als Lösung nur die dritte Art in Frage, die Österreich wie ganz Mitteleuropa am Durchzug überquert und an Flachwasserzonen bei uns am Unteren Inn zur Zugzeit gar nicht selten beobachtet werden kann. Es ist also ein Sandregenpfeifer, der auf dem Rätselbild ein Bein entlastet und bewundernswert das Gleichgewicht hält.
Zum Abschluss möchte ich noch eine kleine Geschichte erzählen und dabei an einen meiner ornithologischen „Lehrer“ erinnern. Als ich nämlich – das muss Ende der 1980er- oder Anfang der 1990er-Jahre gewesen sein – Joachim Borsutzki aus Bayern gefragt habe, ob er mit seinem neben dem meinigen stehenden Spektiv auch die jungen Flussregenpfeifer gesehen habe, hat er geantwortet, dass er nur junge Sandregenpfeifer sieht, die zwar wie die heurigen Flussregenpfeifer noch kein schwarzes Stirnband, im Gegensatz zu diesem aber einen deutlichen weißen Überaugenstreif haben, der sich weit hinters Auge zieht. Das war eine der wichtigen Unterweisungen, die ich nicht mehr vergessen habe. Als Abschluss eine vielleicht hilfreiche Produktplatzierung: Mit Hilfe des aktuellen Svensson (genauso wie in anderen guten Bestimmungsbüchern auch) können die Unterschiede auf Seite 143 gut memoriert werden.


